Nicht jede Figur ist von Beginn an Teil einer Geschichte. Manche betreten den Roman erst während einer späteren Überarbeitung – und wirken anschließend, als wären sie schon immer dort gewesen.
So war es bei Lulu aus Quadrath-Ichendorf.
Eine neue Figur für das Tanzcamp
Die Idee für das Tanzcamp kam mir erst relativ spät. Für Mara war dieser Handlungsort jedoch genau richtig: Sie liebt das Tanzen und kann sich dort außerhalb von Weißwald mit anderen Jugendlichen messen.
Gleichzeitig brauchte das Tanzcamp eigene Figuren. Es sollte sich nicht nur wie eine Verlängerung der Bischofbande anfühlen, sondern wie eine neue Umgebung mit Menschen, die ihre eigene Sprache und Persönlichkeit mitbringen.
So entstand Lulu.
Inspiriert von einer lieben Kollegin
Lulus Art ist von einer Kollegin inspiriert, die ich sehr mochte. Ich wollte keine genaue Kopie eines realen Menschen erschaffen. Vielmehr übernahm ich bestimmte Eigenschaften und die besondere Wirkung, die sie auf andere hatte.
Lulu ist lebendig, direkt und herzlich. Sie besitzt eine Art zu sprechen, durch die sie sofort auffällt. Wo andere lange überlegen, sagt sie häufig einfach, was sie denkt.
Solche Nebenfiguren sind für eine Geschichte besonders wertvoll. Sie bringen Bewegung in eine Gruppe und können mit wenigen Sätzen eine ganze Szene verändern.
Ein Stück Rheinland im Roman
Lulu kommt aus Quadrath-Ichendorf und spricht entsprechend rheinländisch. Bestimmte Begriffe und natürlich das bekannte „Alaaf!“ verleihen ihren Dialogen einen regionalen Klang.
Dialekt ist beim Schreiben allerdings nicht ganz einfach. Wird er zu stark verwendet, kann ein Text anstrengend zu lesen sein. Wird er nur angedeutet, bleibt die Figur verständlich und bekommt trotzdem eine eigene Stimme.
Bei Lulu sollte die Sprache niemals dazu dienen, sie lächerlich zu machen. Ihr Dialekt gehört zu ihrer Herkunft und zu ihrer selbstbewussten Persönlichkeit.
Warum Nebenfiguren wichtig sind
Eine Romanwelt besteht nicht nur aus den beiden Hauptfiguren. Oft sind es gerade die Nebenfiguren, an die man sich später besonders gern erinnert.
Sie lockern ernste Situationen auf, sprechen unangenehme Wahrheiten aus oder zeigen eine andere Sicht auf das Geschehen. Außerdem holen sie die Hauptfiguren aus ihrer vertrauten Umgebung.
Lulu kennt die Regeln und alten Konflikte von Weißwald nicht in derselben Weise wie Mara. Dadurch kann sie manche Dinge unbefangener betrachten.
Obwohl sie erst spät entstand, gehört sie heute für mich ganz selbstverständlich zu „Mara und die Bischofbande“. Manchmal kommt eine Figur eben genau zum richtigen Zeitpunkt in eine Geschichte.