Manche Bücher entstehen schnell und fühlen sich schon nach der ersten Fassung beinahe vollständig an. Andere begleiten ihre Autorin über Jahre, verändern sich immer wieder und geben erst nach zahlreichen Überarbeitungen ihr eigentliches Geheimnis preis.
„Mara und die Bischofbande“ gehört zur zweiten Gruppe.
Die Geschichte war da – aber noch nicht vollständig
Die zentrale Beziehung zwischen Mara und Eric stand früh fest. Sie waren als Kinder beste Freunde, wurden später Anführer der verfeindeten Banden und entwickelten sich dadurch zu erbitterten Gegnern.
Auch Erics Gefühle für Mara gehörten von Anfang an zur Geschichte. Mit vierzehn gesteht er ihr auf einer Strandparty, dass er sie mag. Doch Mara reagiert nicht so, wie er es sich erhofft. Statt ehrlich mit ihm umzugehen, nutzt sie sein Interesse für den Bandenkampf aus.
Damit verletzt sie ausgerechnet den Menschen, der ihr früher besonders nahestand.
Diese Ausgangslage gefiel mir. Trotzdem hatte ich lange das Gefühl, dass dem Roman noch etwas fehlte.
Jede Überarbeitung brachte neue Teile
Über die Jahre nahm ich das Manuskript immer wieder zur Hand. Dabei kamen neue Szenen, Figuren und Entwicklungen hinzu.
Die Idee für das Tanzcamp entstand beispielsweise erst spät. Auch Lulu aus Quadrath-Ichendorf gehörte nicht von Anfang an zur Handlung. Heute kann ich mir den Roman ohne sie kaum noch vorstellen.
Durch solche Ergänzungen wurde die Welt um Mara und Eric lebendiger. Die Geschichte bestand nun nicht mehr nur aus ihrer schwierigen Beziehung und den Bandenkämpfen. Tanz, Freundschaften, Eifersucht und die unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Jugendlichen bekamen mehr Raum.
Als die Musik fehlte
Eine junge Kollegin machte mich schließlich auf einen wichtigen Punkt aufmerksam: Die Geschichte spielte in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren, aber die Musik dieses Zeitraums war kaum vorhanden.
Sie hatte recht. Gerade Mara und Eric sind stark mit ihrer Musik verbunden. Ohne Hip-Hop, R&B und die großen Hits der Zeit fehlte dem Roman ein Teil seiner Atmosphäre.
Also arbeitete ich mich noch einmal durch die Musik dieser Jahre. Erst mit Eminem, TLC, Atomic Kitten und Destiny’s Child fühlte sich die Welt der Figuren vollständig an.
Warum manche Geschichten Zeit brauchen
Die vielen Überarbeitungen waren nicht immer einfach. Manchmal fragte ich mich, ob das Buch jemals wirklich fertig sein würde.
Im Rückblick war die lange Entstehungszeit jedoch wichtig. Mara und Eric mussten als Figuren reifen. Auch ich musste genauer verstehen, warum sie einander verletzen und warum sie sich trotzdem nicht vollständig voneinander lösen können.
Heute ist „Mara und die Bischofbande“ genau die Geschichte, die ich erzählen wollte: über Freundschaft, Stolz, falsche Entscheidungen und die Möglichkeit einer zweiten Chance.
Manchmal braucht ein Roman eben länger, bis alle Teile an ihren richtigen Platz gefunden haben.