Die Bischofbande

Warum „Lissi und die Bischofbande“ ursprünglich gar nicht geplant war

Manchmal entstehen Geschichten nicht nach einem festen Plan. Manchmal drängen sich Figuren immer wieder in den Vordergrund, bis man ihnen endlich zuhört. Genau so war es bei „Lissi und die Bischofbande“.
Obwohl „Lissi“ heute der erste Band der Bischofbanden-Reihe ist, war dieses Buch ursprünglich gar nicht vorgesehen. Die Welt von Weißwald entstand mit anderen Figuren und zu einem späteren Zeitpunkt. Erst nachdem ich „Franzi und die Bischofbande“ beendet hatte, merkte ich, dass am Anfang der Reihe noch etwas fehlte.

Wer war Michael Glasner früher?

In mehreren Bänden taucht der Name Michael Glasner auf. Als Besitzer des bekannten Weißwalder Imbisses gehört er fest zum Ort und verbindet verschiedene Generationen miteinander. Außerdem erfährt man, dass er in seiner Jugend selbst Anführer der Bischofbande gewesen ist.
Doch wer war dieser Mann eigentlich, bevor er den Imbiss führte? Wie hatte er seine Jugend erlebt? Und welche Geschichte verband ihn mit Lissi?
Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Fragen kamen hinzu. Ich wollte wissen, aus welcher Familie Michael stammte und warum ihm Verantwortung und wirtschaftliche Sicherheit später so wichtig waren. Vor allem aber wollte ich herausfinden, welche Erlebnisse ihn zu dem Menschen gemacht hatten, dem die Leserinnen und Leser in den späteren Bänden begegnen.
Damit war der Ausgangspunkt für ein neues Buch geschaffen.

Eine Geschichte, die nur darauf gewartet hatte

Als ich zu schreiben begann, entwickelte sich die Geschichte erstaunlich schnell. Innerhalb von nur drei Monaten entstand der Roman. Es fühlte sich an, als hätte Lissis und Michaels Geschichte die ganze Zeit im Hintergrund gewartet.
Nach und nach wurde aus einigen offenen Fragen eine vollständige Handlung: Michael, der nach dem Tod seines Vaters früh Verantwortung für seine Familie übernehmen muss. Lissi, die als Tochter des wohlhabendsten Bauern in Weißwald scheinbar alles besitzt, zu Hause aber immer stärker unter ihrem Vater leidet. Zwei junge Menschen, die seit ihrer Kindheit miteinander verbunden sind und plötzlich auf unterschiedlichen Seiten stehen.
Denn Michael wird Anführer der Bischofbande, während Lissi sich den verfeindeten Willems anschließt.
Damit war nicht nur ihre Freundschaft gefährdet. Auch die Gefühle, die mit den Jahren zwischen ihnen entstehen, dürfen nach den Regeln der Banden eigentlich nicht sein.

Lissi wurde mehr als eine Nebenfigur

Zu Beginn stand für mich vor allem Michaels Vorgeschichte im Mittelpunkt. Doch je weiter ich schrieb, desto stärker wurde Lissi.
Als Kind ist sie selbstbewusst, lebensfroh und manchmal etwas jähzornig. Sie weiß genau, was sie will, und lässt sich nicht so leicht einschüchtern. Mit den Jahren verändert sie sich jedoch. Die schwierigen Verhältnisse zu Hause und die zunehmende Kontrolle durch ihren Vater lassen sie an sich selbst und ihrem Recht auf ein eigenes Leben zweifeln.
So wurde aus der Geschichte über den jungen Michael gleichzeitig die Geschichte eines Mädchens, das darum kämpfen muss, sich nicht vollständig selbst zu verlieren.
Lissis Weg hat mich beim Schreiben besonders berührt. Nach außen gilt sie als privilegierte Bauerntochter. Niemand vermutet, wie wenig Freiheit und Geborgenheit sie tatsächlich besitzt. Michael und die Mitglieder der Willemsbande gehören zu den wenigen Menschen, bei denen sie Halt findet.

Der Anfang einer langen Geschichte

Durch „Lissi und die Bischofbande“ bekam die gesamte Reihe nachträglich einen neuen Anfang. Viele Personen, Orte und Entwicklungen aus den späteren Bänden erhalten dadurch eine zusätzliche Bedeutung.
Auch der Weißwalder Imbiss ist nun nicht mehr nur ein vertrauter Treffpunkt. Er steht für Michaels Lebensweg, seine Familie und seinen Wunsch, sich aus eigener Kraft eine sichere Zukunft aufzubauen.
Genau das liebe ich an einer Buchreihe: Eine Figur, die zunächst nur am Rand auftaucht, kann plötzlich eine ganz eigene Geschichte mitbringen. Vergangene und spätere Generationen greifen ineinander, und aus einzelnen Romanen entsteht eine zusammenhängende Welt.
Heute kann ich mir die Reihe ohne Lissi und Michael nicht mehr vorstellen. Ihre Geschichte war nicht geplant – aber vielleicht musste sie gerade deshalb geschrieben werden.

„Lissi und die Bischofbande“ ist Band 1 der Bischofbanden-Reihe und begleitet Lissi und Michael von 1969 bis 1977.
Mehr über das Buch erfahren

Nach oben scrollen