Die Bischofbande

Warum „Jessi und die Bischofbande“ mehrere Jahre in der Schublade lag

Manche Geschichten entstehen innerhalb weniger Wochen. Andere brauchen Jahre, bis aus einer ersten Idee ein fertiger Roman wird. „Jessi und die Bischofbande“ gehört eindeutig zur zweiten Gruppe.
Nach „Dana und die Bischofbande“ war Jessis Geschichte das zweite Buch, das ich zu schreiben begann. Die wichtigsten Figuren standen schnell fest. Auch mehrere Szenen hatte ich bereits deutlich vor Augen. Trotzdem gelang es mir zunächst nicht, daraus die vollständige Geschichte zu entwickeln, die ich erzählen wollte.
Also verschwand das Manuskript für mehrere Jahre in der Schublade.

Wenn eine Geschichte noch nicht bereit ist

Ein unfertiges Manuskript fühlt sich zunächst wie ein gescheitertes Projekt an. Man hat Figuren erschaffen, Szenen geschrieben und viel Zeit investiert – und trotzdem fehlt etwas Entscheidendes.
Bei Jessi waren die Grundideen vorhanden: Jessica Bischof, die sensible Nachfahrin des Bandengründers, sollte sich zunächst in Steffen, den Anführer ihrer eigenen Bande, verlieben. Später sollte sie jedoch ausgerechnet Justin näherkommen, dem verschlossenen Anführer der verfeindeten Willemsbande.
Damit stand das zentrale Gefühlsdreieck fest. Doch eine Romanhandlung besteht nicht nur aus einer guten Idee. Die Figuren brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Ihre Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein, und die einzelnen Szenen müssen miteinander eine Geschichte ergeben.
Manche Dinge lassen sich nicht erzwingen. Deshalb ließ ich das Manuskript zunächst ruhen.

Jessica und Justin bekamen mehr Tiefe

Als ich die Arbeit später wieder aufnahm, betrachtete ich die Figuren mit etwas Abstand. Besonders die Beziehung zwischen Jessica und Justin wurde dadurch vielschichtiger.
Jessi ist nicht einfach ein Mädchen, das sich zwischen zwei Jungen entscheiden muss. Sie wächst in einem liebevollen und behüteten Elternhaus auf. Dadurch besitzt sie ein grundlegendes Vertrauen in andere Menschen. Sie möchte verstehen, warum Justin so abweisend und unnahbar wirkt.
Justin dagegen hat früh gelernt, seine Gefühle zu verbergen. Sein schwieriges Elternhaus hat ihn misstrauisch gemacht. Er lässt kaum jemanden an sich heran und wirkt deshalb auf viele Menschen kalt oder sogar gefühllos.
Erst durch Jessicas Interesse beginnt sich etwas zu verändern. Sie sieht nicht nur sein Verhalten, sondern fragt nach den Gründen dafür. Gleichzeitig muss sie erkennen, dass Mitgefühl allein noch keine Beziehung trägt.

Ein Wiedersehen mit Lissi

Beim Weiterschreiben entstand auch eine Verbindung zum vorherigen Bandenjahrgang. Jessica besucht Lissi, und die Leserinnen und Leser erfahren, wie sich das Leben der ehemaligen Willemsanführerin nach den Ereignissen ihres eigenen Buches entwickelt hat.
Solche Begegnungen sind für mich ein wichtiger Teil der Reihe. Die Figuren verschwinden nicht einfach, sobald ihr Band beendet ist. Sie werden älter, gründen Familien, treffen Entscheidungen und leben weiterhin in Weißwald.
Dadurch wird die Bischofbanden-Reihe zu einer Geschichte über mehrere Generationen. Jede neue Gruppe übernimmt die Traditionen der vorherigen, verändert sie aber auch.

Manche Bücher müssen erst reifen

Heute glaube ich, dass die Jahre in der Schublade Jessis Geschichte gutgetan haben. Der Abstand gab mir die Möglichkeit, die Figuren genauer zu betrachten und ihre Beweggründe besser zu verstehen.
Ein unfertiges Manuskript muss deshalb nicht bedeuten, dass eine Geschichte gescheitert ist. Vielleicht ist sie einfach noch nicht bereit. Manchmal benötigen nicht nur die Figuren Zeit, um erwachsen zu werden – sondern auch ihre Geschichten.

„Jessi und die Bischofbande“ spielt von 1977 bis 1985 und ist der zweite Band der Bischofbanden-Reihe.

Nach oben scrollen