Die Bischofbande

Warum Christian Kaiser eine eigene Geschichte brauchte

Als Christian Kaiser in „Dana und die Bischofbande“ auftauchte, war er zunächst vor allem eines: Janes Gegenspieler. Selbstbewusst, charmant und daran gewöhnt, dass seine Pläne aufgehen. Als Anführer der Willemsbande wusste er, wie er auf andere wirkte – oder glaubte es zumindest.
Doch je länger ich mich mit ihm beschäftigte, desto deutlicher wurde mir, dass hinter seinem sicheren Auftreten noch eine ganz andere Geschichte verborgen lag.

Ein Junge, der sich seiner Wirkung sehr sicher ist

Christian gehört zu den Menschen, die einen Raum betreten und sofort wahrgenommen werden. Er kann andere für sich gewinnen, übernimmt selbstverständlich die Führung und lässt sich nur ungern anmerken, wenn ihn etwas verunsichert.
Aus Janes Sicht wirkt dieses Verhalten schnell überheblich. Sie sieht den Anführer einer rivalisierenden Bande, der offenbar glaubt, jedes Mädchen mit ein wenig Charme beeindrucken zu können. Und Christian tut zunächst einiges dafür, diesen Eindruck zu bestätigen.
Doch was geschieht, wenn ein Junge, der für alles einen Plan zu haben scheint, plötzlich einem Mädchen begegnet, das sich nicht erobern lassen will?

Was Jane nicht wissen kann

In „Dana und die Bischofbande“ erleben wir die Begegnungen zwischen Jane und Christian vor allem aus Janes Perspektive. Wir wissen, wie sie seine Worte versteht, worüber sie sich ärgert und weshalb sie ihm misstraut.
Was wir nicht erfahren, ist, was Christian währenddessen denkt.
Ist seine Selbstsicherheit wirklich so unerschütterlich? Warum sucht er immer wieder Janes Nähe? Wie viel davon ist anfangs tatsächlich nur ein Spiel – und wann merkt er, dass seine Gefühle längst ernster geworden sind?
Genau diese unbeantworteten Fragen machten Christian für mich immer interessanter. Hinter dem charmanten Willemsanführer steckte ein Jugendlicher, der Erwartungen erfüllen, vor seinen Freunden sein Gesicht wahren und gleichzeitig mit Gefühlen umgehen musste, die sich nicht kontrollieren ließen.

Eine bekannte Geschichte – und doch ein neuer Roman

„Die Kunst, ein Mädchen zu erobern – Ein Willemsanführer auf Abwegen“ erzählt deshalb nicht einfach dieselbe Handlung ein zweites Mal. Zwar begegnen Leserinnen und Leser einigen bekannten Situationen wieder, doch Christians Geschichte besitzt einen eigenen Schwerpunkt.
Wir begleiten ihn in seiner Bande, erleben seine Freundschaften und erfahren, welche Rolle seine Familie spielt. Auch Ereignisse, bei denen Jane nicht anwesend ist, bekommen Raum. Dadurch verändert sich das Bild, das wir von Christian haben.
Plötzlich wird verständlich, warum er in manchen Augenblicken schweigt, ausweicht oder besonders selbstbewusst auftritt. Was aus Janes Sicht wie Arroganz aussieht, kann aus seiner Sicht der verzweifelte Versuch sein, seine Unsicherheit zu verbergen.

Wenn aus einem Plan echte Liebe wird

Der Titel des Romans ist durchaus mit einem Augenzwinkern gemeint. Christian glaubt zunächst, die Liebe wie eine Aufgabe behandeln zu können: Man beobachtet, entwickelt eine Strategie und setzt sie möglichst geschickt um.
Nur hält sich Jane nicht an seinen Plan.
Sie ist intelligent, eigenwillig und ebenso entschlossen wie er. Vor allem aber möchte sie nicht erobert werden. Christian muss erkennen, dass Liebe kein Wettbewerb ist und dass Charme allein keine Nähe schafft. Wer wirklich geliebt werden möchte, muss bereit sein, ehrlich zu werden – auch wenn er sich dadurch verletzlich macht.
Genau deshalb brauchte Christian eine eigene Geschichte. Nicht, weil seine Sicht richtiger wäre als Janes, sondern weil sie eine andere Wahrheit sichtbar macht.

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